Begabtentag Wirtschaftswissenschaften – Angewandte Spieltheorie und Verhaltensökonomik

Zunächst stellte sich Herr Dr. Bühren vor und erzählte uns, dass er in Würzburg Volkswirtschaftslehre und Verhaltensökonomik studiert und in Jena seinen Doktortitel gemacht hat. Er vertritt in Kassel eine Professur für Verhaltensökonomik und beschäftigt sich dabei mit Experimenten und angewandter Spieltheorie.

Wir begannen sofort mit einem praktischen Experiment: Wir sollten uns für einen Kugelschreiber entscheiden. Wir wussten dabei nicht, dass wir unterschiedliche Fragebögen bekommen hatten, einige hatten zwei Kugelschreiber mit ähnlichen Preisen zur Auswahl andere hatten zusätzlich einen Kugelschreiber, der fast zehnmal so teuer war. Durch diesen Attraktionseffekt sollte der etwas teurere der beiden Kugelschreiber günstiger wirken. In unserer Gruppe haben allerdings in beiden Gruppen gleich viele für denselben Kugelschreiber gestimmt, das heißt, das Experiment hat mit uns nicht funktioniert.

Anschließend haben wir uns mit dem Kontrasteffekt beschäftigt. Mit diesem versucht das Unternehmen ebenfalls, ein teures Produkt attraktiver zu gestalten. Zu dem Produkt wird ein Produkt mit eindeutig weniger Wert für den gleichen Preis angeboten. Wenn man die Produkte beispielsweise mit A und A- benennt, würden Verhaltensökonomen sagen: A dominiert A-.

Danach haben wir uns noch etwas mehr über das Entscheidungsverhalten der Konsumenten unterhalten, aber bald sind wir noch praktischer geworden. Beim sogenannten Fischerspiel sollten wir in zwei Runden Fische fangen, in der ersten Runde haben wir pro Fisch ein M&M bekommen, in der zweiten hätten wir pro Fisch zwei bekommen. Trotzdem haben wir alle in der ersten Runde nach den Fischen gegriffen, um nicht leer auszugehen. Auch in den nächsten Runden mit leicht veränderten Regelungen haben wir uns immer genauso verhalten, wie Herr Dr. Bühren es von uns und in der Regel auch allen anderen erwartet hätte. Sogar als wir miteinander kommuniziert hatten, dass wir alle zur zweiten Runde warten würden, damit es sich für jeden mehr lohnt, haben einige in der ersten Runde alle Fische gefangen und dementsprechend mehr als Belohnung bekommen, als alle, die sich tatsächlich an unsere Abmachung gehalten haben.

Weil wir mit der Spieltheorie überraschend gut zurecht gekommen sind, haben wir uns mit Herrn Dr. Bühren auch mit dem Gefangenendilemma auseinandergesetzt, das gewöhnlicherweise erst im dritten Semester angesprochen wird, und der gar nicht vorhatte, mit uns tatsächlich durchzunehmen. Bei dem Gefangenendilemma müssen zwei Personen eine Entscheidung treffen, ohne zu wissen, wie sich die jeweils andere Person entscheidet. Dabei gewinnt oder verliert man nur über die Entscheidung des Gegenspielers, das heißt, in zwei Kombinationen gewinnt jeweils einer und der andere verliert. Bei einer anderen Kombination verlieren beide, und bei einer gewinnen beide, aber weniger als beim Alleingewinn.

Dann sind wir wieder praktischer geworden und haben uns weiter mit dem Entscheidungsverhalten beschäftigt. Diesmal haben wir am Beispiel Schokolade die Gratisanomalie kennengelernt. Anschließend haben wir die Schokolade auch wirklich bekommen.

Zum Abschluss haben wir noch einen Abstecher in den psychologischen Bereich gemacht. Wir sollten eine möglichst zufällige Zahlenreihe erstellen und anschließend mit einer Münze eine „echte“ zufällige Zahlenreihe erstellen. Dabei ist aufgefallen, dass sich die Zahlen beim Münzwurf häufiger direkt wiederholen als bei unserer Reihe. Das beweist, dass sich Menschen nicht zufällig verhalten können.

Außerdem haben wir einen Wissenstest gemacht, bei dem wir schätzen sollten und bei den Zahlenwerten eine zu 90% sichere Ober- und Untergrenze angeben sollten. Bei der Auswertung fiel auf, dass wir statt 9 von 10 nur 2,75 von 10 Fragen richtig beantworten konnten. Auch das Ergebnis war absolut voraussehbar von Herrn Dr. Bühren, denn viele Menschen (hauptsächlich Jungen) überschätzen sich selbst.

Im Endeffekt war der Tag für uns alle sehr interessant und wir haben viel über die Wirtschaftswissenschaften gelernt. Unsere Erwartungen sind wirklich absolut übertroffen worden und ich würde jedem den Begabtentag weiterempfehlen.

Bild: Aylin Yasli
Text: Madita Hartig

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