Mathematik im Freien

Am heutigen Dienstag verlegten die Klassen 8b und 8c ihren Mathematikunterricht auf den Schulhof und setzten das Gelernte praxisnah um: Mit Schnur, Kreide und selbstgebauten Zirkeln zeichneten die Schülerinnen und Schüler auf dem Asphalt Dreiecke und konstruierten Winkelhalbierende, Mittelsenkrechte sowie In- und Umkreise. Die Kinder bauten einfache Zirkel aus Schnur und Kreise; an zuvor mit Kreide markierten Dreiecken bestimmten sie durch Konstruktion der Mittelsenkrechten die Lage des Umkreismittelpunkts und durch das Zeichnen der Winkelhalbierenden den Inkreismittelpunkt. So konnten die Schülerinnen und Schüler die Zusammenhänge unmittelbar sehen: Die Schnittpunkte der Mittelsenkrechten zeigen den Mittelpunkt des Umkreises, die Schnittpunkte der Winkelhalbierenden den Mittelpunkt des Inkreises. Durch die Arbeit im Freien wurden abstrakte Konstruktionen greifbar. Die in Kleingruppen arbeitenden Lernenden diskutierten Vorgehensweisen, erklärten einander die Schritte und vertieften so ihr mathematisches Denken. Die Unterrichtseinheit zeigte, dass Konzepte wie Inkreis, Umkreis, Winkelhalbierende und Mittelsenkrechte durch Anwendung und Experimentieren besonders anschaulich werden und verwandelte den Schulhof in ein großes Geolabor – eine einfache, kostengünstige und sehr effektive Möglichkeit, Geometrie lebendig zu machen.

Die Idee zu der Unterrichtsaktion entstand direkt im Unterricht, als die Frage aufkam, warum Konstruktionen in der Mathematik wichtig sind. Die Schülerinnen und Schüler erkannten schnell: Ein Geodreieck ist für Papier und kleine Zeichnungen geeignet, auf dem Asphalt aber schlicht zu klein; die markierten Dreiecke und Kreise sollten in Lebensgröße sichtbar sein, dafür reicht die Kantenlänge eines Lineals nicht aus. Ein Zirkel aus Schnur und Stift lässt sich dagegen beliebig „vergrößern“; die Spannweite kann so weit gewählt werden, wie der Schulhof Platz bietet, und erlaubt große Kreisbögen und exakte Abstände auch über mehrere Meter. Gerade bei Umkreisen und Mittelsenkrechten ist es wichtig, Kreisbögen zu zeichnen, die weit genug reichen, damit sich die Schnittpunkte eindeutig bilden, mit kleinen Geodreiecken wäre das nur eine grobe Näherung geblieben. Diese Einsicht machte deutlich, dass nicht nur die Konstruktionstechnik zählt, sondern auch die Wahl des Werkzeugs zum Kontext passen muss: Für großmaßstäbige Anwendungen im Freien sind verstellbare Zirkel aus Schnur und Stift oft die einzige praktikable Lösung.

Zum Glück spielte das Wetter mit und die beiden Klassen konnten diese Aktion durchführen. 

Text und Bilder: S. Bräunig und N. Katitas

 

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