Gebärdensprache - eine Kunst für sich (18.09.2016)

Wie würdest du dich verhalten, wenn du auf einen Gehörlosen triffst? Würdest du dich abwenden oder versuchen, mit ihm zu kommunizieren?  Auf diese Fragen gab uns Frau Anna Voß, ehemalige Schülerin des BGAs, beim Gebärdensprach-Workshop am 15.09.2016 in unserer Schule eine Antwort.

Zuerst stellte sie uns ihren Beruf als Dolmetscherin für DGS (= deutsche Gebärdensprache) und Deutsch vor. Um den Gebärdensprachnutzern in ihrem Alltag zu helfen, begleitet sie sie zum Arzt, zu verschiedenen Ämtern und Betriebsversammlungen. Im Moment betreut sie auch ein taubes Mädchen, das eine normale Regelschule besucht. Hier dolmetscht Frau Voß den Grundschulunterricht.

Außerdem erzählte sie uns, dass Gehörlose nicht immer leise sind, sondern auch laut sein können. Beispielsweise schlagen sie auf Tische oder stampfen mit dem Fuß auf, um Aufmerksamkeit zu erlangen oder lachen laut, denn für sie ist es wie alles andere: lautlos. Anschließend sprach die Expertin mit uns über Begegnungen von Hörenden und Gehörlosen, die sich fremd sind. Lustig ist, das einigen Leuten einfällt, Englisch mit Gehörlosen zu sprechen oder sich sogar abwenden, weil die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Eigentlich jedoch ist es ganz einfach, sich mit Gebärdensprachnutzern zu verständigen, denn schon einfache Zeichensprache oder sehr artikuliertes Sprechen genügt.

Für Gehörlose ist es sehr schwierig, mit dem Lippenlesen andere zu verstehen, da man manche Buchstaben nicht mit den Lippen formt und sie deshalb nicht erkennen kann. Um dies zu begreifen, ließ es uns Frau Voß einmal selbst versuchen, indem einer von zwei Partnern sich gehörlos machte und dem anderen von den Lippen lesen sollte. Bei manchen Wörtern funktionierte es ganz gut, bei anderen gar nicht.

Danach lernten wir das DGS-Fingeralphabet und die Zahlen, sodass wir uns schon grob verständigen konnten. Das Schönste aber waren die ersten richtigen Gebärden, die wir ausprobierten.

Beim Reden in der Gebärdensprache stellt man Dinge wie auf eine Bühne vor sich, gibt ihnen einen Zusammenhang und spielt wie mit Puppen mit ihnen. Unsere „Puppen“ waren anfangs ein Baum, ein Nest und ein Vogel, die wir zu einem bewohnten Vogelnest im Inneren eines Baumes verbanden.

Ich fand es toll, einmal die Gelegenheit zu bekommen, eine andere und doch so naheliegende Kultur kennenzulernen, von der ich vorher nichts verstanden hatte.

 

Gesponsert werden die BeGAbtentage von unserem Kooperationspartner, dem Rotary-Club Altena/Werdohl/Plettenberg. Wir danken dem Rotary-Club für seine Unterstützung!

   





Text: Melina Heimowski (7c)

Bild: N. Godefroid