Q2 besucht das Lichtkunstmuseum in Unna (24.11.2016)

Am Donnerstag, dem 17. November,  fuhren unsere beiden Kunstkurse sowie der Französischkurs der Q2 im Rahmen der Thematik „Installationen von Christian Boltanski" in das Lichtkunstmuseum Unna, das vor mehreren Jahren noch eine Brauerei gewesen ist. Begleitet haben uns Frau Pilz, Frau Kremer und Frau Godefroid.

Nach leichtem Verkehrsaufkommen kamen wir trotzdem noch zu früh in Unna an und waren erst einmal verwirrt, dass uns noch keiner so recht in Empfang nehmen wollte. Also gaben uns die Lehrerinnen den freundlichen Rat (vor allem an die Mädchen gewandt) schon einmal das WC aufzusuchen, bevor jemanden ganz spontan vor Beginn der Führung einfällt, dass er mal dringend müsse. Anschließend starteten wir direkt mit der Aufnahme des Gruppenfotos. Eigentlich hatten wir uns alle bemüht den vorgeschriebenen Bleistift sowie den Collegeblock mitzubringen (natürlich hat den keiner vergessen), den brauchten wir dann allerdings doch nicht. Dann haben wir halt für den Ernstfall unser Erinnerungsvermögen trainiert.

In zwei Gruppen ging es dann los: Meine Gruppe startete außerhalb des Museums in einem Gebäude, dem „Third Breath", das extra für den Künstler James Turrell errichtet wurde. In seinen Installationen wird häufig mit Licht und dessen Projektion gearbeitet, sodass sich in dieser Installation die Wolken und der Himmel durch einen Linse im Inneren des eigentlich dunklen Gebäudes auf einer Marmorplatte spiegeln. Wir gingen dann über zu einer Installation von Jan van Munster im Eingangsbereich des Lichtkunstmuseums. In den Boden war eine Glasplatte eingelassen, darunter konnte man versetzt Streben mit Neonröhren erkennen, auf denen das Wort ICH in mehreren europäischen Sprachen übersetzt steht, daher rührt auch der Titel „Ich (im Dialog)".

Weiter ging es mit der Besichtigung der Kellerräume des Lichtkunstmuseums, in denen die meisten Installationen zu finden waren. So gut wie alle Räume besitzen keine natürliche Deckenbeleuchtung. Zuerst kamen wir in einen Eiskeller, den Joseph Kosuth für die „Signatur des Wortes (Licht und Finsternis" ausgewählt hat. Dabei arbeitet er mit einem Steg, über den wir laufen mussten. So konnten wir nicht auf einmal den gesamten Text lesen (der Text stammte ursprünglich von Heinrich Heine), der auf dem Boden stand, sondern wurden gezwungen ihn Stück für Stück zu lesen. Auch ich selbst konnte nicht auf einen Blick den gesamten Text lesen, dafür war die Sehbarriere zu gut vom Künstler inszeniert.

An den Eiskeller mündete noch ein weiterer, dessen Platz sich Mischa Kuball bedient. Seine Installation „Space - Speech - Speed" besteht aus drei Diskokugeln, die im Raum hängen und auf denen die Wörter des Titels projiziert werden. Wegen der typischen Reflexion von Diskokugeln verteilten sich die gewollt schwer lesbaren Buchstaben im gesamten Raum. Man hätte meinen können, man stünde im Weltall. Sie symbolisieren die Schnelligkeit und das Chaos, das in unserer Gesellschaft herrscht und kritisieren auch, dass man sich zu wenig Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nimmt.

Im Nebenraum hatten wir das Glück eine Ausstellung des bereits verstorbenen Franzosen François Morellet anschauen zu können. So gut wie alle seine Installationen bestehen aus weißen und roten Neonröhren. Morellets Arbeiten zeichnet aus, dass er mit Strukturen bricht. Zum Beispiel trennt er Kreise aus ihrer eigentlich zweidimensionalen runden Form, um sie stattdessen in einzelne Teile zu zerlegen und dreidimensional neu anzuordnen. Bei anderen Arbeiten wird wiederum mit Lichtrhythmen gearbeitet, so sahen wir zum Beispiel ein schwarzes Quadrat, auf dem in unterschiedlichen Rhythmen Lichtmuster durch Glühlampen erzeugt wurden.

lm Anschluss betraten wir ein Tunnelgewölbe, den „Tunnel of Tears". Hier hingen rote und blaue Neonschläuche in Tränenform an der Decke. Keith Sonnier hatte sich diesen Raum ausgesucht, da der Boden am nah am Grundwasser liegt. Dadurch, dass die Kellerräume so alt sind, sickert hier häufig das Grundwasser in Form von Pfützen durch und erzeugt so eine Bodenreflexion. Es erinnerte einige von uns an das Nachtleben in Tokyo. Auch hier spiegelt sich bei Regen die Leuchtreklame in den Pfützen. Durch einen Torbogen abgetrennt konnten wir den zweiten Teil des Tunnels betreten, dessen Decke mit blauen Neonschläuchen in Tränenform ausgekleidet war. Das besondere an den beiden Räumen war der Blick zurück in die Halle der Mollet Arbeiten: das eigentlich weiße Licht veränderte plötzlich seine Farbe. Unsere Augen wurden durch das Licht im Tunnel dazu gezwungen die Komplementärfarbe zu Rot beziehungsweise Blau zu bilden. Demnach erschien uns das weiße Licht durch die roten Neonröhren auf einmal grün und im hinteren Raum bei den blauen Röhren wurde das Weiß zu Gelb.

Das Highlight unserer Besichtigung war der „Totentanz" von Christian Boltanski! Der Raum, den er sich ausgesucht hatte, war ziemlich hoch, sehr schmal und lang und das Gewölbe grenzt ein Friedhof, der die Wahl des Raumes wohl begünstigt haben muss. Boltanski arbeitet häufig mit Erinnerungen; in dieser Installation hat er seine Erinnerungen an die Kriegszeit umgesetzt, indem er kleine Teufel und Hexen aus Blech in mehreren Mobiles auf gehangen hatte, die von einer Lampe bestrahlt wurden. Die Schatten der Figuren waren riesig und auf den großen Wänden gut erkennbar.

Wer Stroboskoplicht oder Gewitternächte mag, dem hätte „der reflektierte Korridor/ Entwurf zum Stoppen des freien Falls" von Olafur Eliasson sicherlich gefallen! Links und rechts floss ein „Regenschauer“ herab und wir selbst sind über einen kleinen Steg mittendurch gelaufen. Eliasson benutzt weißes Stroboskoplicht, sodass das ständige Flacken die Wirkung erzeugt, die einzelnen Wassertropfen würden in der Luft stehen bleiben. Vielleicht erinnert man sich an Filmszenen, in denen es regnet und man durch das Licht von Blitzen das Gefühl hat, man könne jeden einzelnen Regentropfen zählen, denn genau so sah es für uns aus.

Damit waren wir dann auch schon fertig mit unserer Besichtigung und es ging wieder ab nach Hause. Eins kann ich sagen: es hat sich gelohnt!



Text: Jasmin Keller und Jan Klingelhöfer (Q1)

Bild: L. Kremer